Warum wir Menschen analoge Interaktionen brauchen, um selbstsicher, gesund und gesellschaftsfähig zu bleiben.
Manchmal wäre ich gerne Hundebesitzerin 🐕🦺.
Dann müsste ich regelmäßig rausgehen und würde andere Hundebesitzer:innen treffen. Freundlich grüßen, ein kurzes Schwätzchen halten, den Hunden zuschauen, mich kurz verbunden fühlen – und dann weitergehen. Ganz unmittelbar, ganz analog.
Denn: Wo passiert das denn sonst noch im Alltag?
Noch nicht mal mehr in den Raucherecken (habe ich mir sagen lassen 😉). Da schauen viele Menschen mittlerweile mehr auf kleine Kästen als die Person direkt neben sich zu beachten.
Auch in Bus und Bahn oder an der Kasse erlebe ich das so: Menschen sind immer mehr in ihrer eigenen Blase unterwegs. Die Sinne vernebelt. Musik im Ohr, Handy in der Hand, Augen auf Mobiltelefon gerichtet, physisch anwesend, gedanklich weit weg…
Ab und zu wäre das ja ok – aber serienmäßig?
Wo kann denn da noch eine Begegnung im Hier und Jetzt stattfinden?
Ein freundlicher Blick?
Ein nettes Wort?
Ein unvermitteltes Zulächeln?
Ach, das ist doch alles Sozialklimbim, altmodisch und eh nicht so wichtig, denkst du vielleicht?
Doch, auf jeden Fall!
Freundliche Interaktionen, selbst ganz kurze mit fremden Menschen, haben einen nachweislich positiven Effekt auf die Gesundheit und den eigenen Selbstwert.***
Je öfter du sie erlebst, desto freundlicher, entspannter und offener gehst du durch die Welt. 😊
Wir Menschen sind Gruppentiere und haben ein Urbedürfnis nach Nähe und Sich-verbunden-Fühlen.
Und nach: Ich werde gesehen. Ich werde gehört. Ich werde wertgeschätzt. Das gibt mir das Gefühl, dass ich wertvoll bin. Im Babyalter ist die Bindung und Begegnung sogar überlebenswichtig.
Im ganzen weiteren Leben begleitet uns der Wunsch nach Anerkennung als psychologisches Grundbedürfnis. Und das klappt am besten analog.
Und jeder junge (und auch ältere) Mensch braucht den Kontakt zu anderen, um daraus sein eigenes ICH zu entwickeln und zu festigen.
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Wenn wir aufhören, uns zu begegnen, ist es, als hörten wir auf zu atmen.“
Martin Buber
Wenn Menschen jedoch kaum Wertschätzung erfahren und sich nicht gesehen fühlen, dann werden sie viel schneller aggressiv und verletzend oder depressiv und einsam oder komisch oder….
Heißt im Klartext:
Gesunde Bindung und Begegnung ist grundlegend für die psychische und physische Gesundheit UND das gesellschaftliche Zusammenleben. Sie erzeugt Wohlbefinden bei Groß und Klein.
Zu wenig davon macht krank. Und schnell auch sozial schwierig.
Für freundliche Interaktionen im Hier und Jetzt braucht es jedoch Gelegenheiten!
Offene Ohren, Augen, Hirne und Herzen, Orte zum Begegnen UND die Entscheidung, sich ab und zu bewusst darauf einzulassen.
Wenn du magst, beobachte dich in deinem Alltag:
- Wo und wie begegnest du bekannten und fremden Menschen im analogen Leben?
- Welche Begegnungen tun dir gut? Und welche (vermutlich) deinem Gegenüber?
- Welche Momente mit anderen Menschen nähren dich besonders? Und warum?
- Wo und wie könntest du vielleicht noch weitere Gelegenheiten zur Begegnung schaffen?
Ein japanisches Sprichwort sagt – wunderbar zusammenfassend, wie ich finde 😊:
„Ein freundliches Lächeln kann drei Wintermonate erwärmen.“
Aus Japan
In diesem Sinne wünsche ich dir viele gute analoge Begegnungen in allen Jahreszeiten!
Herzliche Grüße
Susanne
*** Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du z.B. hier eine interessante Reportage (45 min): Liebe und Bindung – Wie das Smartphone unsere Beziehungen gefährdet (Link führt zum Sender 3sat).